IQB-Bildungstrends 2018

Im "Bildungstrend 2018" untersucht das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) im Auftrag der Kultusministerkonferenz zum zweiten Mal, inwieweit Neuntklässler/innen die Bildungsstandards in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik der Sekundarstufe I erreichen. Durch einen Vergleich mit den Ergebnissen von 2012 kann die Veränderung des Kompetenzniveaus in den einzelnen Ländern geprüft werden. 44.941 Schüler/innen der 9. Jahrgangsstufe in 1.462 Schulen aus allen 16 Ländern nahmen teil.
In Mathematik sind die Leistungen seit 2012 stabil geblieben, ebenso in den Naturwissenschaften. Allerdings stellen sich die Bundesländer sehr unterschiedlich dar: Während Bayern und Sachsen die Mindest- und Regelstandards besonders gut sichern, werden sie in Berlin am häufigsten verfehlt. Ungünstige Ergebnisse zeigen sich auch in Bremen, Hamburg, Hessen und teils in Nordrhein-Westfalen. Negative Trends insbesondere in Mathematik gegenüber 2012 ergeben sich in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Verbesserungen wurden in keinem Land erreicht.


In den Naturwissenschaften ergeben sich negative Trends in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, während in Bayern und Nordrhein-Westfalen teilweise Verbesserungen erzielt wurden. Bayern und Sachsen erreichen die besten Durchschnittswerte bei den Schülerleistungen. Trotz Leistungsrückgang erreichen Schüler/innen in Thüringen immer noch höhere Werte als der Bundesdurchschnitt. Zwischen höchstem und niedrigstem Mittelwert entspricht die Differenz der Bundesländer in Mathematik dem Kompetenzzuwachs von anderthalb, in den Naturwissenschaften sogar von bis zu zweieinhalb Schuljahren.


Allerdings zeichnen sich für das Gymnasium ungünstige Entwicklungen in fast allen Kompetenzbereichen ab; die Leistungen liegen unter dem Niveau von 2012. Insofern der Anteil der Schülerschaft an den Gymnasien aber seit 2012 nicht gestiegen ist, kann der Negativtrend aber nicht auf eine höhere Beteiligung zurückgeführt werden. Signifikant ist die Verschlechterung in Baden-Württemberg, Brandenburg Hessen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Verbesserungen sind in keinem Bundesland festzustellen.
Bei Jungen und Mädchen gehen die Leistungs- und Motivationsentwicklung auseinander, auch wenn der Unterschied insgesamt geringer geworden ist. Obwohl Jungen lediglich in Mathematik bessere Leistungen als Mädchen erbringen, schätzen sie ihr Können und Interesse in Mathematik wie in Chemie und Physik höher ein. Mädchen erbringen in allen Naturwissenschaften durchweg bessere Leistungen als Jungen; in Mathematik besteht zwar ein Leistungsvorsprung der Jungen, der aber gering ausfällt. Lediglich in Baden-Württemberg und Thüringen schneiden Jungen deutlich besser ab als Mädchen. Allerdings nehmen sich die Mädchen nur in Biologie selbst als kompetent wahr. Die Jungen haben sich im Schnitt verschlechtert, am stärksten in Brandenburg. Mädchen haben sich in keinem Bundesland verschlechtert.


Die Abhängigkeit der erreichten Kompetenzen vom sozialen Status der Familie ist nach wie vor substantiell und unverändert. Auch die mangelnden Leistungen von Jugendlichen aus zugewanderten Familien werden zu großen Teilen auf ihre sozio-ökonomische Herkunft zurückgeführt. Allerdings verschlechtern sich ihre Kompetenzwerte unabhängig vom sozialen Status, wenn sie in den Familien zu selten deutsch sprechen. Von den Neuntklässler/innen haben inzwischen 34% Migrationshintergrund, 2% Fluchthintergrund. Vor allem Zuwandererkinder der ersten Generation tun sich schwer, die Leistungen dieser Gruppe haben sich gegenüber 2012 verschlechtert. Dennoch geben sie an, sich in der Schule gut integriert zu fühlen.
Der Unterricht in Mathematik ist nach wie vor primär Klassenunterricht oder Stillarbeit, aber wenig binnendifferenziert und variiert. Am Gymnasium wird der Unterricht weniger gestört, ist aktivierender und geht positiver mit Fehlern um; aber auch Schüler/innen anderer Schulformen sehen den Unterricht als aktivierender und strukturierter als dies 2012 der Fall war. Vor allem in den ostdeutschen Ländern ist der Unterricht deutlich strukturierter und erzielt bessere Ergebnisse. Lehrkräfte geben Fortbildungsbedarf vor allem zur Binnendifferenzierung und Förderung schwacher Schüler/innen an.
Bewertung: Stabilität im Leistungsniveau angesichts gewachsener Heterogenität ist erfreulich, kann aber nicht zufrieden stellen. Das Ziel müssen Leistungsverbesserungen sein, gerade bei Kindern mit schwierigeren Startbedingungen. Die Analyse des Unterrichts vor allem in den ostdeutschen Bundesländern gibt dafür wertvolle Hinweise. Gefordert sind eine frühe Sprachförderung mit konsequentem Einbeziehen der Familie, ein strukturierter und aktivierender Unterricht, wirksame Fortbildungen für Lehrkräfte und eine Ausstattung der Schulen nach Sozialindex. Insbesondere das Gymnasium muss sich - trotz des großen Zuspruchs - didaktisch besser aufstellen, ist der Wirtschaftsstandort Deutschland doch auf MINT-Nachwuchs angewiesen. Mädchen brauchen ein selbstbewussteres Selbstkonzept und mehr Interesse und Freude am MINT-Bereich.  


Sie finden den Bericht unter:
https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/BT2018/Bericht

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